105 Jahre FFw Garz
Die Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Garz


( Auszug aus Schillers

„Das Lied von der Glocke“)
Wohltätig ist des Feuers Macht,
Wenn sie der Mensch bezähmt, bewacht.

Schon immer war das Feuer Grundlage für die Entwicklung des Menschen. Dieses Eine der Drei Elemente diente dem Menschen als Schutz und Wärmespender. Doch noch nie war diese Macht für den einzelnen Menschen zähmbar. So wurde häufig aus einem kleinen Feuer ein Brand, und damit eine Gefahr. Auch die Stadt Garz wurde immer wieder durch Brände heimgesucht und regelrecht in Schutt und Asche gelegt. Besonders erwähnenswert ist die große Feuersbrunst im Jahre 1765. Diese hatte zur Folge, dass fast das gesamte Städtchen Garz in Schutt und Asche gelegt wurde. Nun galt es, schnellstens Maßnahmen zum Schutz der Bürger zu ergreifen. Die Bürgerschaft wurde jetzt zum Feuerlöschdienst verpflichtet und in Spritzenbürger  und Wasserfüller eingeteilt. Auch eine Handdruckspritze wurde beschafft. Dem Feuerlöschwesen schenkte man nun allmählich mehr Aufmerksamkeit. Trotz verstärktem Engagement der Stadtverwaltung zur Beschaffung neuer Löschgeräte zeigte sich bald, dass es einer organisierten Wehr bedurfte. So kam es, dass am 14. Februar 1900 auf einer Bürgerversammlung die Gründung der FFw Garz beschlossen wurde. Während dieser Versammlung wurde als Gründungstag der 1.März 1900 festgelegt. Schon recht bald nach der Gründung mussten die Kameraden der FFw Garz ihre Feuertaufe bestehen. Am 12. September 1900 kam es zu einem Brand beim Musikdirigenten Graumann. Gemeinsam mit den Feuerwehren Binz, Putbus und Göhren wurde am 27. November 1901 der Kreisfeuerwehrverband Rügen gegründet. Der junge Verband setzte sich besonders die weitere Verbreitung des Feuerlöschwesens zum Ziel. Aufgrund der noch mangelhaften Bereitschaft vieler Bürger, im Löschdienst tätig zu werden, musste neben der FFw noch eine Pflichtfeuerwehr bestehen bleiben.  Ab dem 1. September 1902 wurde die Wehr auch zum Einsatz in umliegenden Bezirken verpflichtet. In Anerkennung der Tätigkeit und Bereitschaft zum Nutzen der Allgemeinheit wurden die Feuerwehrmänner auch gegen Dienstunfälle versichert. Gründer und Förderer der FFw Garz waren zur damaligen Zeit kleinere mittelständische Betriebe und Gewerbetreibende sowie die allgemeine Lehrerschaft. Überwiegend gehörten die Handwerker zum aktiven Kern, die Gewerbetreibenden und Lehrer übernahmen organisatorische Aufgaben. Die Aufnahme in die Feuerwehr stand meistens nur Handwerksmeistern und Personen mit gehobenen Dienststellungen offen.
Schon zur damaligen Zeit konnten durch Spenden notwendige Löschgeräte angeschafft werden. Diese waren verhältnismäßig primitiv und körperlich schwer zu handhaben. Das Feuerwehrhorn war die einzige Möglichkeit, die Bürger der Stadt Garz zu alarmieren. Der verantwortliche Feuerwehrsignalgeber benötigte zuerst eine Stunde, um durch alle Straßen zu laufen. Ertönte das Signalhorn, so mussten alle Bürger schnell handeln. Bei Dunkelheit musste eine Laterne vor dem Haus so angebracht werden, dass die Straße gut beleuchtet wurde. Um die ausrückenden Kameraden nicht zusätzlich zu gefährden, war es des Bürgers Pflicht, den Weg vor dem Haus gründlich zu reinigen und bei Frost heißes Wasser bereit zu stellen und die Wege bei Glätte abzustumpfen. Dann eilte man mittels bereitgestellter Fuhrwerke der Bauern mit der handbetriebenen Spritzpumpe an die Brandstätte. Der Schnellste erhielt eine Prämie von drei Mark. Trotzdem kam aufgrund der langsamen Fuhrwerke oftmals jede Hilfe zu spät. Diese Zustände dauerten mehrere Jahrzehnte an. Die einzige Neuerung in der Wehr war die zweirädrige Motorspritze. Der erste Weltkrieg war schrecklich und auch die Feuerwehren blieben davon nicht unberührt. Viele Kameraden zogen in den Krieg. Einige kamen nicht wieder.
Nach Ende des Krieges musste die Wehr neu geordnet und aufgebaut werden. Durch das Voranschreiten der Technik verbesserten sich der Ausbildungsstandard und die Einsatztechnik. Führende Handwerker verstärkten ihre Aktivität in der FFw Garz. Ihr Ziel war es, eine stabilere Sicherheitsfunktion der FFw in der Stadt aufzubauen. Doch Machtstreben, Unterwürfigkeit, Inflation und Existenzangst brachten in die Reihen der FFw  Unruhe. Politische Machtkämpfe führten oft zur Zersplitterung der Wehr. Erst als in den 30er Jahren Handwerksmeister wie die Herren Hopp und Holtz, Schustermeister Paul Franz, Tischlermeister Haase, der Besitzer des Hotels „Nordischer Hof“, Kaufmann Paul Kasten, Mechanikermeister Robert Scheel und Glasermeister Franz Duhm die Geschicke in die Hand nahmen, festigte sich die FFw Garz wieder. Das Pflichtbewusstsein der Freiwilligen im Dienste der Bürgerschaft bekam eine immer größere Rolle. Glasermeister Duhm übernahm gleichzeitig die kulturelle Leitung in der Feuerwehr und sorgte mit seinen Garzer Stadtmusikanten für viel Abwechslung und brachte Freude. Die Kameraden hatten großen Anteil am geselligen Leben der Stadt. Damals wie auch heute waren die Ehefrauen ein festes Bindeglied für die Feuerwehr. Sie übernehmen viele organisatorische Aufgaben und waren Stütze und Bindeglied zugleich. Nichts anderes gilt auch heute noch und deshalb gilt unser Dank auch heute in besonderer Weise unseren Frauen. Mit Ausbruch des zweiten Weltkrieges herrschte großer Personenmangel, denn fast alle Männer zogen in den Krieg. Nun übernahmen die älteren passiven Mitglieder das Kommando, unterstützt von den Ehefrauen sowie jüngeren Mitgliedern. Viele Männer kehrten nicht aus diesem Krieg zurück. Und doch war die Garzer Feuerwehr bereits im Oktober 1945 wieder einsatzfähig. Der Maschinenbestand war gleich Null. Die wenigen vorhandenen Utensilien waren gleichzeitig Eigentum der Besatzer. Wehrführer war ab diesem Jahr der mittlerweile verstorbene Walter Zühr, Stellmacher und Schmied. Er war ein Mann, der mit der Feuerwehr verheiratet war. Um die technischen Geräte wieder gangbar zu machen war großer Ideenreichtum gefragt. Und die Kameraden hatten Ideen! Sie waren echte Könner in ihrem Fach und sammelten Schrauben, Muttern, Schellen, Schläuche. Kurzum: Sie nutzten alles, was irgendwie brauchbar war. Die räumlichen Verhältnisse waren äußerst beengt. Im Spritzenhaus der FFw war gleichzeitig der städtische Leichenwagen  bis 1951 untergebracht. Die Feuerwehrleute hielten trotzdem große Ordnung. Jeder Handgriff saß, so dass die Ausrückzeiten stets verbessert werden konnten. Auch der Ausbildungsstand wurde verbessert und die Kameraden belegten stets vordere Plätze. Die Kameraden waren zähe Burschen, nicht nur im Kampf gegen den Feuerhahn, sondern auch im Wettkampf bewiesen sie Ausdauer. 1953 erhielt die Garzer Wehr das erste Löschfahrzeug. Dieses war nach einer Probefahrt durch den ehrgeizigen Techniker derart ramponiert, dass  dieses für Wochen nicht einsatzfähig war. Im selben Jahr übernahm, der bereits verstorbene Schustermeister Paul Franz die Leitung in der FFw Garz. Er gehörte dieser 49 Jahre an, musste aber nach 12 Jahren aus gesundheitlichen Gründen seine Leitungstätigkeit aufgeben.
Die damals angeschafften Feuerwehrautos, es waren drei an der Zahl, erwiesen sich als nicht sehr zuverlässig. So wurden die Garzer Ackerbürger bis in die 50er Jahre verpflichtet, bei Feueralarm mit ihren Gespannen auszurücken. Die nach dem Krieg übernommene Motorspritze „ Magirus“ musste zu den Brandstellen gezogen werden. Das Blasen des Feuerhorns hatte auch noch seine große Bedeutung, denn die Stadt Garz legte sich erst relativ spät Sirenen zu. Wie so oft, mussten die Stadtväter lange über den Fortschritt „Sirene“ nachdenken. So wurde dann zunächst nur auf dem Postgebäude eine Sirene installiert. Die Forderung der Feuerwehrleute, eine weitere Sirene zu installieren, erachteten die Stadtväter als unnötig. Erst nach dem Wohnungsbrand beim Friseurmeister Scheil im Jahre 1959, als zahlreiche Kameraden durch ungünstige Windverhältnisse die Sirene auf der Post nicht hörten und sich dadurch der Wohnungsbrand ausbreitete, wurde die Sirene auf dem Schulgebäude errichtet. In den 90er Jahren wurden die Sirenen teilweise durch Funkalarmempfänger abgelöst, so dass die Bürger oftmals dachten, die Feuerwehr habe keine Einsätze mehr.
Damals wurde die Arbeit der Feuerwehren nochmals erleichtert. Die Kameraden erhielten ein neues Löschfahrzeug. Sie waren besonders Stolz auf ihre Errungenschaft. Das Fahrzeug wurde das erste Mal beim Brand des ehemaligen Hortgebäudes genutzt. Um die Löschfahrzeuge ordnungsgemäß unterbringen zu können, wurde das alte Gerätehaus zwischen 1968 und 1973 um- und ausgebaut. Dieser Umbau vollzog sich schon unter Leitung des ehemaligen Wehrführers Heinz Seegert. Er übernahm 1965 die FFw Garz und schrieb während seiner 25- jährigen Leitungsposition ein großes Stück Geschichte mit. Heinz Seegert übernahm ein schweres Amt. Die wirtschaftlichen Probleme gingen auch an der Feuerwehr nicht spurlos vorbei. Durch die Einstufung als „Freiwillige Feuerwehr“ waren die Mitglieder Diener vieler Herren, doch immer ohne Gehalt. Ihre Einsätze und Übungen, „um Leben zu schützen“, wurden gesetzlich nicht anerkannt. Die Feuerwehrleute erhielten im Gegensatz zu den Kampftruppen keine monatlichen Vergünstigungen. Den damaligen Ratsherren muss man zugute halten, dass sie wussten, was die Feuerwehr leistet. Die Kameraden opferten ein großes Stück ihrer Freizeit, um entsprechend den zur Verfügung stehenden Mitteln ihre theoretischen und praktischen Fähigkeiten zu trainieren. Auch im Dienste des vorbeugenden Brandschutzes waren der Brandschutzbeauftragte Erich Westphal und Wehrführer Heinz Seegert oft Tag und Nacht für die Bürger und die Landwirtschaft unterwegs. Sie leisteten mit den anderen Angehörigen sowie der Frauengruppe eine vorbildliche Arbeit. Die Frauengruppe wurde 1965 und die Jugendfeuerwehr 1961 gegründet. Doch die Jugendfeuerwehr wurde nach einigen Jahren wegen diverser Probleme wieder aufgelöst. 1992 konnte aber eine neue Jugendfeuerwehr gegründet werden. Diese leistet bis heute noch  tatkräftige Arbeit auf dem Gebiet der Jugendarbeit.
Auch im Wehrvorstand sollte nach dem Willen der Kameraden mehr Jugend einziehen. So übergab unser langjähriger Wehrführer Heinz Seegert nach der Wende sein Amt einem Jüngeren Kameraden, dem Kameraden Peter Nehls, der bis heute die Geschicke der FFw Garz leitet. Heinz Seegert übernahm den Vorsitz der Ehrenabteilung; er verstarb im September vergangenen Jahres nach langer und schwerer Krankheit und wurde von den Kameraden zu seiner letzten Ruhestätte geleitet. Nach der Wende entstand sodann eine Städtepartnerschaft zwischen Garz und Norderney. In deren Rahmen wurde am 11. April 1991 feierlich auch ein Partnerschaftsvertrag zwischen den Feuerwehren der beiden Städte unterzeichnet. Besonders der Norderneyer Kamerad Rudolf Dehns unterstützte nach den gesellschaftlichen Umbrüchen den Aufbau der Feuerwehr Garz. Die Garzer Feuerwehrleute konnten so als erste im Kreis Rügen den Ausbildungslehrgang „Truppmann“ nach den neuen Vorschriften absolvieren. Die Partnerschaft reduzierte sich nicht nur auf gemeinsame Lehrgänge und Feste, es erwuchsen aus ihr auch persönliche Freundschaften. Aber auch zu anderen Feuerwehren knüpften wir in den 90er Jahren enge Bande: So rückten wir vor allen Dingen eng mit der benachbarten Wehr aus Putbus zusammen und krönten unsere enge Verbindung schließlich im Jahre 2000, als die Putbuser Kameraden mit ihrer Fahne zur Weihe unserer Fahne Pate standen. Doch nicht nur in der Nähe, sondern auch in der Ferne, über die Ost-West-Grenze hinweg, schmiedeten wir Kontakte: Im Herbst 1998 erhielten wir erstmals Besuch von den Kameraden der freiwilligen Feuerwehr Übernthal aus Hessen. Mittlerweile hat sich hieraus eine feste Freundschaft entwickelt, die heute in besonderer Form festgeschrieben werden soll. Aber auch in feuerwehrtechnischer Hinsicht tat sich in den 90er Jahren einiges: Zu dem bereits vorhandenen Löschfahrzeug LF8 kamen in den 90er Jahren noch ein durch Eigeninitiative der Kameraden organisiertes Tanklöschfahrzeug TLF16, der Hilfsrüstwagen HRW1 und der Einsatzleitwagen ELW 1 hinzu. Dieser ELW 1, Fahrgestell Trabant, wurde von den Kameraden selbst aufgebaut und 1999 durch einen ebenfalls Selbstaufgebauten Mitsubishi abgelöst. Weiterhin besitzt die Feuerwehr ein Traditionsfahrzeug Garant K30, genannt „Oma“. Die Beschaffung der Fahrzeuge wurde notwendig, weil sich der Aufgabenbereich der Feuerwehren enorm erweitert hatte.  
Obwohl es die Hauptaufgabe der Feuerwehren war und ist, Brände zu löschen, rücken sie nun immer häufiger bei Unwetterschäden, Hilfeleistungen und Unfällen aus. Mit den neuen Aufgaben kamen auch neue Gefahren auf die Feuerwehrleute zu. Doch die Kameraden begegnen den Gefahren mit dem Pflichtbewusstsein, Menschen zu retten und zu schützen. Dies fiel in den 90er Jahren oftmals nicht leicht, weil die Technik mittlerweile veraltet und das alte Dienstgebäude zu klein war. Eben deshalb waren wir sehr froh, anlässlich unseres hundertjährigen Bestehens im Sommer 2000 unser neues Dienstgebäude in Betrieb nehmen zu können. Ein weiterer wichtiger Schritt bestand in den Jahren nach unserem Umzug darin, nun die schon teilweise 30 Jahre alte Fahrzeug- und Gerätetechnik zu erneuern. So wurde im Spätsommer 2001 das ehemals bei der FFw Bergen stationierte RW 2 nach Garz verlegt und in die Obhut unserer Wehr gegeben, nachdem der HRW 1, Fahrgestell LO Robur, hatte stillgelegt werden müssen. Weiterhin erhielten wir im vergangenen Jahr, d. h. im Mai 2004, einen mehr als vollwertigen Ersatz für den bisherigen LF 8, der ebenso wie der schon zuvor stillgelegte HRW 1 auf Fahrgestell LO Robur lief und ebenfalls nicht mehr die erforderliche Verlässlichkeit bot. Und schließlich wurde in diesem Jahr der im Dezember letzten Jahres buchstäblich auf der Fahrt „liegen gebliebene“ ELW 1 auf Fahrgestell Mitsubishi durch ein neues Einsatzleit- und Mannschaftstransportfahrzeug ersetzt. Einzig und allein zum „alten Eisen“ gehört damit nunmehr noch der TLF 16 auf Fahrgestell IFA W 50. Mit unserer neuen Technik sind wir wieder in den Stand versetzt, effektive Arbeit zu leisten. Und auch wenn im Einsatzfall wegen der stillen Alarmierung durch Funkalarmempfänger kaum etwas von der Feuerwehr zu hören ist, so sind wir trotzdem immer da, wenn es heißt: “Retten, Bergen, Löschen Schützen“. Im Übrigen wurde das Leben der FFw Garz seit dem Umzug auch in kultureller Hinsicht um neue Elemente bereichert: Zu nennen sind hier etwa der zur jährlichen Tradition gewordene „Tag der offenen Tür“ am neuen Gerätehaus oder der ebenfalls mittlerweile zur jährlichen Tradition gewordene Feuerwehrgottesdienst in der evangelischen Kirche zu Garz. Für die Zukunft haben wir uns viel vorgenommen. Um unseren Auftrag zu versehen, brauchen wir jede helfende Hand. Gerade deshalb danken wir all unseren Sponsoren und Helfern, und zwar sowohl den Gewerbetreibenden, die uns immer wieder großzügig finanziell unter die Arme greifen, als auch – und zwar nicht minder – denjenigen einzelnen Bürgern, die uns im Rahmen ihrer Möglichkeiten hier und da die eine oder andere Hilfe, gleich welcher Art, gewähren.

Auch in Zukunft möge daher die Feuerwehr allzeit gute Dienste tun unter der Devise: „Gott zu Ehr, dem nächsten zu Wehr!“  


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